Geballter jugendlicher Widerspruchsgeist – Der diesjährige Literaturkurs der Q1 begeistert am Abend des 23. Juni 2026 mit seiner Inszenierung des Stückes „Sweet Sixteen“

Den Erwachsenen im Publikum wird so einiges um die Ohren gepfeffert an diesem Theaterabend. Den Vätern, Müttern, Lehrkräften, Politikerinnen und Politikern, die „wohl gar nichts merken“. Davon, was ihre Erziehung, ihre Erwartungen, ihr Druck, ihre lediglich „5 bis 7 Minuten gemeinsame Zeit am Tag“ mit ihren Kindern machen. Vor allem den 16-jährigen Jugendlichen, die das alles einfach „nur noch ankotzt“.
Deswegen sind die auf einmal weg.
Und damit beginnt das Stück „Sweet Sixteen“, das sich der diesjährige Literaturkurs der Stufe Q1 unter Leitung von Kristina Haverkamp für seine Inszenierung ausgesucht hat.
Energisch, rebellisch, mit sehr klaren Ansagen teilt das Ensemble in alle Richtungen aus. Mia, Tim, Leni, Lilli, Helena und Felicia bieten eine rasante und sehr abwechslungsreiche Interpretation des gleichnamigen Romans von Birgit Vanderbeke, der davon erzählt, dass nach und nach Jugendliche verschwinden. Keine Spuren, keine Bekennerschreiben, keine Lösegeldforderungen. Eltern sind (mehr oder weniger) verzweifelt, die Polizei nimmt das Ganze zunächst nicht ganz ernst, die Medien werden hellhörig, als irgendwann hellblaue T-Shirts mit der Aufschrift „Free your mind“ auftauchen. Spätestens dann wird klar, dass es hier um etwas anderes geht. 
Schonungslos wird all das aufgedeckt, was den Jugendlichen zu schaffen macht und womit sie nichts mehr zu tun haben wollen: ihre Machtlosigkeit in komplizierten Patchworkfamilien, ihre Enttäuschung über wenig echtes Interesse seitens der Erwachsenen, das Gefühl, nicht verstanden zu werden, die vielen unbeantworteten Fragen in einer krisengeschüttelten Welt.

Alle sechs Schauspielenden schlüpfen souverän in verschiedene Rollen, sprechen allein, zu mehreren synchron, sind immerzu in Bewegung, ohne Pause treiben sie die Handlung voran. Die eingespielten Songs sowie eine genau auf die Handlung abgestimmte Lichttechnik unterstützen die Aufführung in jeder Szene perfekt.

Antworten auf die Fragen, was sie umtreibt und bewegt, wonach sie sich sehnen, was sie planen, was ihnen wichtig ist, vielleicht auch, wofür sie dankbar sind und was trotz übergroßem pubertärem Frust gut in ihrem Leben ist, Antworten darauf bleiben die Jugendlichen dem Publikum bewusst schuldig.

Wir sollten sie fragen.

Wir danken Mia, Tim, Leni, Lilli, Helena, Felicia (Schauspiel), Anna (Technik) und ihrer Spielleiterin Kristina Haverkamp sehr herzlich für diesen eindringlichen und überzeugenden Theaterabend.

Die nächste Aufführung findet am Sonntag, den 28. Juni 2026 in der Werkstattbühne Bonn statt. Unbedingt Karten besorgen!!

Fotos und Text: A. Engels

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