Das verpflichtende Sozialpraktikum der Einführungsphase findet während zweieinhalb Wochen in ausgewählten sozialen Einrichtungen im Raum Bonn/Rhein-Sieg statt. Im Anschluss werden die Erfahrungen aus dem Sozialpraktikum bei Besinnungstagen reflektiert. Das Sozialpraktikum liegt entweder vor dem Ende des ersten Halbjahres oder vor den Sommerferien.

Alle Schülerinnen des Sankt-Adelheid-Gymnasiums absolvieren in der Jahrgangsstufe 10 ein Sozialpraktikum. Dieses Praktikum ist in unserem Schulprogramm seit dem Jahr 2000 fest verankert und orientiert sich am Compassion-Projekt der Deutschen Bischofskonferenz und verfolgt folgende Ziele:

Aus der christlichen Basis unserer Schule ergibt sich ein Erziehungsauftrag, der auch die Schwachen und Benachteiligten unserer Gesellschaft in den Blick nimmt.

Für das gesamte Leben ist es wichtig, sich mit anderen auseinander zu setzen, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen und in einer Gruppe mitarbeiten zu können. Hier ist gerade der Kontakt zu Menschen in Notlagen hilfreich, um unseren Blick für andere zu schulen. Die Begegnung und Interaktion mit alten und pflegebedürftigen Menschen, mit Kranken, mit sozial benachteiligten Kindern, mit besonders förderungsbedürftigen Kindern, körperlich und geistig Behinderten, psychisch Kranken, mit Obdachlosen, gefährdeten Jugendlichen und auch mit Sterbenden stärkt den Blick für soziale Themen in unserer Gesellschaft, führt zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben, lässt persönliche Kompetenzen und Grenzen deutlich werden. Das Sozialpraktikum kann der Tendenz der Vereinzelung (vor dem Fernseher, vor dem Computer, in der Ein-Kind-Familie) entgegenwirken.

Soziale Erziehung fördert die Lebenstüchtigkeit und die soziale Kompetenz. Hohe intellektuelle Kompetenz allein ist keine Garantie für eine erfolgreiche private und berufliche Zukunft.

In vielen Bereichen der Wirtschaft und Forschung ist Teamfähigkeit gefragt. Das Einüben sozialen Verhaltens steigert die Fähigkeit, im Team zu arbeiten und Führungsqualitäten auszubauen. Wir haben erlebt, dass der Nachweis sozialen Engagements für unsere Schülerinnen ein Vorteil bei der Stellensuche war.

Das Sozialpraktikum kann Hilfe bei der beruflichen Orientierung sein.

Nicht zuletzt bestätigen die oftmals begeisterten Berichte der Schülerinnen, die das Praktikum absolviert haben, uns in unserer Arbeit. Viele haben die Zeit als echte Erweiterung ihres eigenen Horizontes erlebt und betrachten es als wichtige Lebenserfahrung. Nicht wenige Schülerinnen besuchen auch lange nach Abschluss des Praktikums „ihre“ Einrichtung immer wieder und arbeiten dort ehrenamtlich weiter.

Die Bedeutung, die wir dem Sozialpraktikum beimessen, dokumentiert sich in der Gesamtorganisation:

Die Auswahl der Praktikumsplätze lebt von der ständigen Kontaktpflege unserer Schule zu vielen Einrichtungen. Im Rahmen des „Schüler für Schüler“-Konzeptes beraten ältere Schülerinnen, die das Praktikum schon durchlaufen haben, jüngere Schülerinnen bei der Wahl eines passenden Praktikumsplatzes.

Das Praktikum wird fächerverbindend vorbereitet: Viele Unterrichtsfächer beteiligen sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Perspektiven daran, gesellschaftliche Aspekte zu erarbeiten, die für den künftigen Einsatz der Schülerinnen in sozialen Einrichtungen wichtig sein können. Der fächerverbindende Unterricht endet mit einem Projekttag, an dem die Ergebnisse aus den einzelnen Bereichen vorgestellt werden.

Das Praktikum selbst erstreckt sich über 2,5 Wochen in verschiedenen sozialen Einrichtungen, z. B. in Krankenhäusern, Seniorenheimen, Förderschulen, Einrichtungen für behinderte Menschen. Während dieser Zeit wird jede Schülerin von einem Lehrer/einer Lehrerin unserer Schule betreut und besucht.

Unmittelbar im Anschluss an das Praktikum finden die Besinnungstage der Stufe 11 statt. Für drei Tage fahren alle Schülerinnen in ein Jugendgästehaus. Hier haben die Schülerinnen die Gelegenheit, ihren Einsatz, ihre Eindrücke und Erfahrungen, die sie im Praktikum gemacht haben, in kleinen Arbeitsgruppen zu reflektieren. Sie werden dabei von erfahrenen Lehrkräften, Pfarrern und einem Mitarbeiter der Caritas angeleitet und seelsorglich-spirituell begleitet.

Text: M. John