Erdkundeexkursion in den Braunkohlentagebau Garzweiler am 14. Juni 2018

Ein kühler und doch vielversprechend wirkender Donnerstagmorgen, der Himmel war blau und die Sonne allmählich am Himmel zu sehen. Treffpunkt der Exkursion: Vor dem Hauptgebäude des Sankt-Adelheid-Gymnasiums in Pützchen gegen 6:50 Uhr. Mit drei Erdkundekursen besichtigten wir  den Braunkohlentagebau Garzweiler. Dieser Tagebau liegt etwa zwischen Köln, Mönchengladbach und Aachen und ungefähr eineinhalb Stunden Busfahrt wurden dafür eingeplant. Gegen 7:00 Uhr waren alle Schülerinnen versammelt und bereit zum Plätze einnehmen. Nach Kontrolle der Anwesenden ging es gegen 7:10 Uhr schließlich mit einer entspannten und doch noch etwas müden Schülerinnengruppe los. Kurze Durchsagen von Frau Meiers und Frau Wulf-Dünner fassten noch einmal den uns bevorstehenden Tag kurz zusammen. Die Stimmung war super und die Schülerinnen fieberten zufrieden und neugierig der Ankunft im Besucherzentrum des Konzerns RWE entgegen.  Auf einem Autobahnabschnitt machte Herr Kreutzer uns auf den Tagebau Hambach und die Sophienhöhe aufmerksam, die man in der Ferne gut erkennen konnte. Die Sophienhöhe ist ein durch den Abbau von Erdschichten entstandener künstlicher Berg, welcher erfolgreich rekultiviert wurde.
Der Tagebau Hambach ist einer von vielen Tagebauen im Rheinland und befindet sich, wie auch der Tagebau Garzweiler, im Rheinischen Braunkohlenrevier. Die beiden Tagebaue sind nur ein paar Kilometer voneinander entfernt.

Um 8:30 Uhr erreichten wir das Besucherzentrum in Garzweiler. Es liegt etwas außerhalb und bei unserer Ankunft ist kaum jemand zu sehen. Um 9:00 Uhr traf dann Herr Niklas Wischkony ein, unser für den Tag gebuchter Mitarbeiter von RWE.
Anschließend bekamen wir in einer Art Hörsaal eine 30minütige Einführung in das Konzept des Unternehmens und allgemeine Infos über den Tagebau. Der Konzern beschäftigt etwa 1700 Mitarbeiter im Rheinland. Braunkohle ist ein fossiler Brennstoff, der  immer zuverlässig Strom liefern kann. Aus diesem und weiteren Gründen findet der  Abbau von Braunkohle immer noch viele Unterstützer in der Bevölkerung und Politik. Auch die Energiewende wurde angesprochen, woraufhin unser Begleiter darauf aufmerksam machte, dass sich der Konzern im Wandel befände. RWE habe mehr Anteile an erneuerbaren Energien als Braunkohle oder sonstigen Stromquellen. Durch seine Aussage „Die Energiewende ist nicht so grün wie sie scheint.“, wollte er darauf aufmerksam machen, dass auch durch den steigenden Anteil an erneuerbaren Energien etc. noch lange nicht das Ziel von einer geringeren CO2 Emissionen zur Erreichung der Klimaziele erfüllt werden kann.

Im Rheinischen Revier gibt es drei aktive Tagebaue, viele Flächen wurden rekultiviert, Flüsse wie die Inde, der am Tagebau Inden verläuft, wurde in seinen ursprünglichen Verlauf zurück verlegt, woraufhin sich eine große Artenvielfalt entwickeln konnte. Eine besonders interessante Information war, dass die Fläche, auf der der Freizeitpark „Phantasialand“ steht, zu früheren Zeiten mal Tagebaugebiet war.
Der Tagebau Garzweiler ist ein wanderndes Loch, mit jeweils 3 Flözen a 12 Metern Mächtigkeit, welche sich zwischen 40 bis 210 Metern unter der Erdoberfläche befinden. Bedeckt werden diese jedoch, von den fruchtbarsten Lößböden weltweit, was neben der Umsiedlung ganzer Orte zugleich einen weiteren Kritikpunkt am Tagebau darstellt.

Nachdem wir viele neue und interessante Informationen gehört hatten, haben wir uns auf den Weg zurück zum Bus gemacht, um dort unsere „Besichtigungstour“ durch den Tagebau zu beginnen.
Unser Begleiter hat uns dann während der Fahrt einiges über den Tagebau erzählt und wir sind zu vielen verschiedenen Stellen gefahren, an denen wir zum Beispiel den Transport der abgebaggerten Braunkohle auf  Transportfließbändern sehen und beobachten konnten. Uns wurde erklärt, dass es verschiedene Qualitätsstufen bei Braunkohle gibt und diese miteinander vermischt werden um  einheitliche Braunkohle zu liefern. Als nächstes fuhr der Bus den Stützpunkt im Tagebau an, an dem viele Mitarbeiter morgens ihre Schicht beginnen.
An den Wegen, auf denen die Autos der Mitarbeitern, Transportwagen oder auch Reisebusse mit Besuchern durchfahren, stehen aufgrund des Feinstaubes, der sich beim Abbau der Kohle verteilt,  Beregnungsanlagen, die die Feinstaubbelastung minimieren sollen. Es gibt deshalb zwei große Becken, die das schmutzige Wasser sammeln, damit es im Nachhinein gefiltert und als sauberes Wasser wieder genutzt werden kann.
Die nächste Station, die wir angefahren sind, war eine Beladungsstation, bei der die Braunkohle in Waggons eines Zuges gefüllt wird. Ein solcher Zug hat immer genau 14 Waggons, die jeweils mit etwa 100 Tonnen Braunkohle gefüllt werden. Dieser Befüllprozess findet alle 14 Minuten statt. Die Beladungsstation wird auch Zugbrücke genannt. Die Zugbrücke stammte noch aus den 1970er Jahren, funktioniert jedoch noch einwandfrei.
Als wir weiter fuhren, erwähnte er den Facharbeitermangel, der auch bei RWE ein Problem sei. Etwa 5.000 von den 10.000 Angestellten, die im Alter von 50 bis 60 Jahren sind, gehen in den nächsten Jahren in Rente und werden durch neue Angestellte ersetzt. Er sagte auch, dass die Arbeit gut bezahlt wird und man auch mit einem niedrigen Schulabschluss dort eine Chance auf einen Arbeitsplatz hat. Etwa 20% aller Führungspositionen sind von Frauen besetzt.
Anschließend haben wir uns einen der kleineren Schaufelbagger angeschaut, den wir lediglich in einem kleinen Radius um den Bagger bestaunen konnten. Aufgrund von Erdrutschen war auch das Verlassen des Busses im Gelände untersagt.
Als nächstes besichtigten wir bereits rekultivierte Flächen des ehemaligen Tagebaus Garzweiler I, welche zusätzlich zu einem Windpark umfunktioniert wurden. Niklas Wischkony informierte uns, inwiefern die umgesiedelten Bewohner entschädigt und mit in die Planung des neuen Ortes einbezogen werden.
Nach der Besichtigung der rekultivierten Flächen sahen wir uns den Tagebau von einer Aussichtsplattform aus an und fuhren anschließend in einen bereits fast vollständig abgerissenen Ort namens Immerath. Es vermittelte einen sehr trostlosen und bedrückenden Eindruck. Der ebenfalls in der Umsiedlung befindliche Ort Manheim, den wir zu Fuß erkunden konnten, vermittelte den gleichen Eindruck. Neu Manheim dagegen wirkte sehr belebt mit einer neuen Kita und großen modernen Häusern. Auch fiel uns auf, dass die Grundstücke in Neu Manheim größer sind und die Straßennamen teilweise beibehalten wurden.

 

Die Exkursion war zusammenfassend sehr informativ und ein in Gedanken bleibendes Erlebnis, das aber auch die Schattenseiten der Braunkohlenförderung offenbarte. Wir hatten die einmalige Chance zu erfahren, wie Teile unseres Stroms entstehen und wo sie gewonnen werden. Wusstet ihr beispielsweise, dass der Strom für jede sechste Stunde vor dem Fernseher aus unserer heimischen Braunkohle produziert wird?

 

Lea Günther und Alice Geslerski (EF)