Soziale Projekte – Tschernobyl

Messstellenpatenschaft in Weißrussland

Jedes Jahr im April, um den Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl herum, sammeln Schülerinnen aller Klassen und Kurse unserer Schule für den Unterhalt „unserer Messstelle“. Dahinter verbirgt sich eine Patenschaft, die auf Initiative der ehemaligen Latein- und Französischlehrerin, Frau Barbara Gleiß, 1998 angestoßen wurde, um die Unterhaltskosten für eine Messstelle für Strahlenbelastung in Weißrussland zu übernehmen.

Der Atomphysiker Wassilij B. Nesterenko, Leiter des Instituts für Kernenergetik der Weißrussischen Akademie der Wissenschaften, war in den Tagen nach der Katastrophe als Strahlenexperte am Unfallort. 1991 gründete er das unabhängige Strahlenforschungsinstitut BELRAD, um die Menschen, die in den radioaktiv verseuchten Gebieten leben (vor allem weite Teile Weißrusslands und der Ukraine), besser über die unsichtbare Gefahr zu informieren und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Mit regelmäßigen Messungen klären die Mitarbeiter des Instituts die Bevölkerung über die Strahlengefährdung auf. Zum einen wird drei- bis viermal im Jahr von den durch das Institut ausgebildeten Radiometristen (oft einer der Lehrer der Dorfschule) mit Hilfe eines Messstuhls die Strahlenbelastung der Kinder gemessen. Die häufig weit überhöhten Werte führen zu Konzentrationsschwierigkeiten, Herz- und Kreislaufkrankheiten und zu erhöhtem Krebsrisiko. Rund 90% der Radioaktivität nehmen die Menschen in den stark verstrahlten Gebieten heute durch die Nahrung auf. Da die meisten Menschen in Weißrussland es sich nicht leisten können, importierte Nahrungsmittel zu kaufen, geben die Mitarbeiter von BELRAD Tipps, wie man mit den verstrahlten Nahrungsmitteln umgehen kann. Durch Messung der landwirtschaftlichen Nutzflächen wird es möglich, Nahrungsmittel auf möglichst wenig belasteten Flächen anzubauen. Darüber hinaus kann das Präparat Vitapekt, ein mit Vitaminen angereichertes Apfelkonzentrat die radioaktiven Schwermetalle aus dem Körper ausschwemmen. Die Wirksamkeit dieses Präparats hat das deutsche Forschungszentrum Jülich in einer Studie nachgewiesen. Daher werden die Spendengelder, die über die jährliche Unterhaltssumme für die Messstelle von z. Zt. 1238 Euro hinausgehen, für Pektin-Kuren verwendet.

Prof. Wassilij B. Nesterenko verstarb am 25. August 2008. Fünfmal hat er unsere Schule besucht und Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen über die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl und die Möglichkeiten der Hilfe informiert. Wir danken ihm für seinen großen, unermüdlichen Einsatz im Kampf für die von den Strahlen am meisten betroffenen Menschen. Wir wollen daran mitwirken, dass sein Lebenswerk weitergeführt wird. Sein Sohn, Dr. Alexej Nesterenko, führt seine Arbeit fort. Er war zum ersten Mal im Jahre 2011 zu Besuch im Sankt-Adelheid-Gymnasium.

>