Psychosoziale Beratung

Im Beratungszimmer im 2. Stock, Raum 214 stehen zu bestimmten festgelegten oder auch persönlich vereinbarten Stunden Frau Graff und Frau Bergold den Schülerinnen, Eltern oder auch Kolleginnen und Kollegen mit einem beratenden Gespräch zur Seite.

„Tu ne cede malis, sed contra audentior ito!“
„Weiche nicht dem Übel, sondern geh ihm mutiger entgegen!“
Vergil, Aeneis 6, 95

Der große Dichter Vergil besingt die Mühsal des Lebens und lässt seinen Helden Aeneas immer wieder von anderen dazu anstoßen, seinen vorgeschriebenen Weg, sein fatum, nicht aus den Augen zu verlieren.

Auch wir können unseren Schülerinnen nicht die Mühsal des Alltags aus dem Weg räumen, aber wir wollen sie unterstützen, Schwierigkeiten mutig anzugehen, mit uns Möglichkeiten herauszufinden, den Weg, den sie sich für ein selbstbestimmtes, verantwortungsvolles Leben vorstellen, auch zu bewältigen.

Dieser Aufgabe stellen wir uns an unserer Schule in besonderem Maße, indem wir versuchen, die Schülerinnen im Kontext der gesellschaftlichen Hintergründe mit ihren individuellen Möglichkeiten zu sehen, d. h. sie mit Blick auf ihre Situation in der Klasse, im Freundeskreis und in der Familie entsprechend ihrer Ressourcen zu stärken.

Damit folgen wir in unserer Beratung dem systemischen Ansatz. Es handelt sich nicht um psychosoziale Therapie, sondern um gemeinsames Reflektieren neuer Anfänge. Die zu Beratende darf nicht in Abhängigkeit von der Beraterin kommen. Beratung soll Entlastung anstreben und nicht zu neuer Belastung führen. Sie schafft Klarheit, Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit.

Die Funktion der Beratungslehrerinnen liegt in der Unterstützung und Intensivierung der Beratungsprozesse in der Schule. Es geht um

  • Beratung von Schülerinnen,
  • Beratung von Erziehungsberechtigten,
  • Kollegiale Unterstützung bei der pädagogischen Beratung und der Suche nach Problemlösungen,
  • Intervention in Konfliktsituationen,
  • Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen,
  • Organisation von regelmäßig stattfindenden Präventionsmaßnahmen,
  • Organisation von Informationsveranstaltungen für interessierte Kolleg/innen,
  • Weiterentwicklung des Beratungskonzeptes bei immer neuen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Themen der Beratung sind Schulprobleme im weitesten Sinn, vor allem Ängste, Leistungsdruck, Leistungsverweigerung, Mobbing bei Schülerinnen. Ebenso können in der Beratung von Eltern Erziehungsprobleme thematisiert werden, etwa das Setzen und Akzeptieren bzw. Nicht-Akzeptieren von Grenzen, Probleme, die durch große Belastungen in den Familien entstehen, beispielsweise durch Trennungen, Krankheiten, Tod, Gewalt in Familien, Familiengeheimnisse etc. Diese vertrauensvollen Gespräche sind natürlich nur möglich, weil wir als Beratungslehrerinnen der Schweigepflicht unterliegen! Diese unabdingbare Vertrauensgrundlage ist im Strafgesetzbuch §203 verankert.

Beratungslehrerinnen

  • betrachten in einem klärenden Gespräch mit den Ratsuchenden das Problem,
  • suchen die Stärken der Betroffenen,
  • entwickeln gemeinsam eine Strategie,
  • versuchen einen neuen Weg zu finden,
  • vermitteln, wenn nötig,  gezielt professionelle Hilfe, denn sie halten guten Kontakt zu Beratungsstellen.

Zu einem umfassenden Beratungssystem gehört nach unserem Verständnis eine kontinuierliche Präventionsarbeit, die

  • Selbstbewusstsein
  • Selbstwertgefühl
  • Selbstdisziplin
  • Wahrnehmungsbereitschaft
  • Integrationsbereitschaft
  • Kooperationsbereitschaft
  • Kommunikationsbereitschaft

fördert.

Präventionsmaßnahmen für die Jahrgangsstufe 5

Zur Stärkung der Selbstbehauptung und des Selbstwertgefühls wird mit je der Hälfte der Klasse über ein Vierteljahr ein professionelles Trainingsprogramm mit qualifizierten externen Fachkräften durchgeführt. Die  Grundregeln sozialen Lernens werden im Klassenverband vom Klassenlehrerteam im Rahmen einer Doppelstunde pro Woche  eingeübt. Schwerpunkt ist hier die Hilfe zur Selbsthilfe, die in konkreten Übungssituationen trainiert wird.

Präventionsmaßnahmen für die Jahrgangsstufe 6

Thema ist die sexualisierte Gewalt im Internet und in verschiedenen Chatrooms. Altersadäquat wird einerseits über Gefahren sexualisierter Gewalt und mögliche Täterstrategien informiert, andererseits werden auch Sicherheitsmaßnahmen und Hilfsstrategien entwickelt.

Präventionsmaßnahmen für die Jahrgangsstufe 7

Erfahrungen in der Beratungspraxis zeigen, dass möglichst früh über Gefahren von Essstörungen informiert werden sollte. Dazu greifen wir seit einigen Jahren auf die Hilfe des Bonner Zentrums für Essstörungen zurück, um präventiv im Rahmen von Workshops mit dieser Problematik umzugehen.

Präventionsmaßnahmen für die Jahrgangsstufe 8

In der Jahrgangsstufe 8 wird mit Unterstützung der Abteilung Prävention von der Bonner Polizei das Thema Alkohol- und Drogenmissbrauch ausführlich behandelt. Wichtiger Gesichtspunkt ist für uns immer wieder die Aufklärung über mögliche Gefahren und  die Stärkung des Selbstwertgefühls, damit die Schülerinnen selbstbewusst verantwortlich für sich die richtigen Entscheidungen treffen können. Dazu verhelfen auch die angebotenen Selbstbehauptungskurse über den Polizeisportverein e. V. Bonn unter der Leitung von Herrn Baum durchgeführt. Diese Kurse sind ein freiwilliges Angebot, das aber von sehr vielen Schülerinnen angenommen wird.

Präventionsmaßnahmen für die Jahrgangsstufe 9

In dieser Stufe wird das Thema Sexualität noch einmal aufgegriffen und altersgemäß vertieft. Das Thema wird durch die Richtlinien der Fächer Religion und Biologie bereits behandelt. Jetzt geht es in der Jahrgangsstufe 9 um das Thema Liebe — verantwortliche Partnerschaft. Das Thema wird von Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichen methodischen Zugängen behandelt.

 

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